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Vertrauen im Banking: Worauf es wirklich ankommt

Vertrauen im Banking: Worauf es wirklich ankommt

18.6.2026

Der Ruf der Schweizer Banken hat seit der Notrettung der Credit Suisse gelitten – doch Schweizerinnen und Schweizer vertrauen ihrer Hausbank weiterhin. Markenexperte Stefan Vogler und Markus Boss, CEO der Regiobank Solothurn AG kennen das Erfolgsgeheimnis: Nähe, soziale Kompetenz und Verantwortung.

«Wenn ich die verschiedenen Images von Schweizer Banken mischen würde, wäre das Ergebnis wohl knapp positiv», sagt Markenexperte Stefan Vogler. Denn die Schlagzeilen der vergangenen Jahre hätten das Image des Schweizer Finanzplatzes beschädigt – gleichzeitig genössen aber insbesondere Regionalbanken weiterhin einen sehr guten Ruf.


Niedriges Systemvertrauen und positive Erfahrungen

Die jüngste Umfrage des Bankenmonitors bestätigt die Einschätzung des Image-Experten: Während 2021 noch 75 Prozent der Bevölkerung Schweizer Banken positiv beurteilten, sind es heute noch 53 Prozent. Gleichzeitig bleibt die Zufriedenheit mit der eigenen Hausbank hoch – bei 83 Prozent. Zwischen Systemvertrauen und persönlicher Erfahrung zeigt sich damit eine tiefe Kluft.

Erklären lässt sich diese Kluft mit den unterschiedlichen Rollen, die verschiedene Schweizer Banken einnehmen. «Eine regional verankerte Retailbank wird völlig anders beurteilt als eine Grossbank», meint Markus Boss, CEO der Regiobank Solothurn AG.

Das ambivalente Bankenimage erlebt er in seinem beruflichen Alltag häufig: «Täglich gibt es viele tausend positive Interaktionen mit den Kundinnen und Kunden, obwohl die öffentliche Diskussion teils von negativen Themen dominiert wird.»

Nähe schafft Vertrauen

Genau diese Kundengespräche sind laut Stefan Vogler entscheidend für das positive Image der persönlichen Hausbanken: «Banking ist ein Vertrauensgeschäft – und Vertrauen entsteht vor allem über persönlichen Kontakt.» Und dabei hätten regional verankerte Banken einen Vorteil gegenüber Grossbanken.

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So berichtet Markus Boss, dass 95 Prozent seiner Mitarbeitenden im Marktgebiet zuhause sind. Damit könne die Regionalbank punkten: «Wir kennen nicht nur die Daten, sondern auch unsere Kunden.» Markus Boss ist überzeugt: Für den Erfolg einer Bank ist die soziale Kompetenz der Mitarbeitenden entscheidend.

Wie entscheidend das Persönliche ist, überraschte ihn kürzlich selbst. Eine Kundin eröffnete ein Konto über rund eine Million Franken – nicht wegen eines Produkts oder einer Kampagne. Ausschlaggebend war, dass sie den Bankchef mit seinem Sohn an einem Konzert gesehen hatte und den Umgang der beiden miteinander sympathisch fand.

Die verschiedenen Banken der Schweiz

Regionalbanken

Sind stark lokal oder regional verankert und konzentrieren sich auf Privatkundinnen und Privatkunden sowie KMU in ihrer Region. Regionalbanken fokussieren meist auf Hypotheken, Sparen und Vermögensberatung. Es gibt 59 Institute mit durchschnittlich fünf Filialen pro Regionalbank.

Kantonalbanken

Gehören mehrheitlich den Kantonen und haben einen öffentlichen Auftrag zur Förderung der regionalen Wirtschaft. Viele verfügen über eine Staatsgarantie. Sie verbinden regionale Verankerung mit einem breiteren Angebot – etwa in den Bereichen Anlageberatung, Firmenkundengeschäft oder Finanzierung. Es gibt 24 Kantonalbanken, einzig Solothurn und Appenzell Ausserrhoden verfügen über keine.

Raiffeisenbanken

Ein Bankennetzwerk aus 218 regional verankerten und genossenschaftlich strukturierten Banken. Die Raiffeisenbanken konzentrieren sich vorwiegend auf das klassische Zinsengeschäft mit Hypothekar- und Unternehmenskrediten und Kundengeldern in Spar- und Anlageform.

Post Finance

Die Bank der Schweizerischen Post, ist stark auf den Versorgungsauftrag für Privatkundinnen und Privatkunden ausgerichtet. Mit einem breiten Netz an Post‑Agenturen und digitalen Angeboten spielt die Post Finance eine wichtige Rolle im Zahlungs‑ und Kontenverkehr.

Grossbanken

Die UBS ist seit der Integration der Credit Suisse die einzige Schweizer Grossbank. Sie ist weltweit tätig. Neben dem klassischen Privatkundengeschäft spielen internationale Vermögensverwaltung, Investment Banking und Kapitalmarktgeschäfte eine wichtige Rolle.

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Verantwortung übernehmen: Neben der Bilanz zählt Haltung

Kundennähe und soziale Kompetenz allein genügen jedoch nicht, um zu überzeugen. Der Bankenmonitor zeigt: Viele Schweizer Bankkundinnen und Kunden sind der Meinung, dass der Bankenplatz die Themen «gesellschaftliche Verantwortung» und «Nachhaltigkeit» vernachlässigt.

Markus Boss versteht, dass Banken nicht nur an ihrer Leistung, sondern auch ihrer Haltung gemessen werden: «Wir verwalten Geld und beraten bei wichtigen Entscheidungen wie dem Hauskauf – natürlich tragen wir gesellschaftliche Verantwortung.»

Beim Thema Nachhaltigkeit sieht er die Banken vor allem in der Verantwortung, kompetent zu beraten. Getrieben werde das Thema aber über die Gesetzgebung und die Kunden – und bei denen stelle er fest: «Für die meisten zählt die Rendite am Ende mehr.»

Stefan Vogler ist überzeugt: «Kleinere, regional verwurzelte Banken haben es viel leichter, sich glaubwürdig zu engagieren und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.» Ein gutes Beispiel dafür: Markus Boss selbst war bis Juni 2025 Gemeinderatspräsident in seiner Wohngemeinde und ist seit vergangenem Jahr Mitglied des Solothurner Kantonsrats.

Regionalbanken müssen alles können

Kleinere Retailbanken haben es leichter, Kundinnen und Kunden persönlich zu überzeugen. Ein Wettbewerbsvorteil – wenn sie es denn gleichzeitig schaffen mit ihren Leistungen nicht hinter anderen Banken zurückzufallen.

Konkret bedeutet das: Regionalbanken müssen bei der Digitalisierung von Leistungen Schritt halten und gleichzeitig in jeder Filiale einen Schalter mit persönlicher Kundenbetreuung betreiben. Markenexperte Stefan Vogler findet: «All diese Anforderungen umzusetzen ist ein riesiger Aufwand – Chapeau, wie die Regionalbanken das umsetzen.»

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