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Ohne Marktzugang kein Wachstum: Der Schweizer Finanzplatz im globalen Wettbewerb
Ohne Marktzugang kein Wachstum: Der Schweizer Finanzplatz im globalen Wettbewerb

Die Schweiz ist weltweit bekannt für Schoggi, Alpen und Banken. Doch während die Alpen einzigartig sind, muss sich der Finanzplatz gegen eine aufstrebende Konkurrenz behaupten. Um seine führende Rolle in der internationalen Vermögensverwaltung zu halten, setzt der Bankenplatz auf neue Abkommen.
«Der Wettbewerb ist hart», sagt Denis Pittet, Präsident der Fondation Genève Place Financière, dem Dachverband des Genfer Finanzplatzes. Denn die Schweiz ist zwar weiterhin Nummer eins in der internationalen Vermögensverwaltung, doch andere Finanzplätze wachsen schneller.
So geht der Global Wealth Report 2025 davon aus, dass Hong Kong die Schweiz bis 2029 als Standort mit der grössten internationalen Vermögensverwaltung überholt haben wird. Und auch das Wachstum der anderen Länder in den Top 10 der Vermögensverwaltung überstieg zwischen 2023 und 2024 das der Schweiz.

Das Auslandsgeschäft der Banken wächst, bleibt aber kostspielig
Gleichzeitig verliert die grenzüberschreitende Vermögensverwaltung global an Gewicht. Ihr Anteil am weltweiten Finanzvermögen ist zwischen 2013 und 2023 von 5,3 auf 3,7 Prozent gesunken, wie das Deloitte International Wealth Management Centre Ranking zeigt.
Dagegen gewinnt die Präsenz von Schweizer Banken ausserhalb der Schweiz zunehmend an Bedeutung. Dank ihrer Tochtergesellschaften im Ausland profitieren die Schweizer Banken auch vom Wachstum ausländischer Finanzplätze.
Denis Pittet sieht jedoch auch Nachteile bei dieser Form der Entwicklung jenseits der Schweizer Grenzen: «Arbeitsplätze entstehen ausserhalb der Schweiz, und unserem Land entgehen Steuereinnahmen.» Die Alternative, nämlich die internationale Vermögensverwaltung von der Schweiz aus, erfordert den Abschluss internationaler Abkommen.
Internationale Abkommen öffnen Märkte
Ein wichtiger Schritt zur Stärkung der internationalen Vermögensverwaltung ist das Berne Financial Services Agreement (BFSA) der Schweiz mit dem Vereinigten Königreich (UK). Seit 2026 erkennen beide Länder gegenseitig ihre rechtlichen und aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen an. Dies ermöglicht es registrierten Schweizer Finanzdienstleistern, professionelle und vermögende britische Kunden zu betreuen, ohne eine britische Lizenz erwerben zu müssen – und umgekehrt.
Für Pittet ist klar, dass es nun ein ähnliches Abkommen mit der EU braucht: «Wir müssen einen stabilen und langfristigen Rahmen für unsere Beziehungen zur EU schaffen.» Denn die EU ist für die Schweiz der wichtigste ausländische Markt: 2024 entfielen über 60 Prozent der Finanzdienstleistungsexporte auf Europa.
Mit der Umsetzung der EU-Richtlinie CRD VI seit 2026 wurde der Marktzugang jedoch eingeschränkt: Ohne lokale Präsenz dürfen zentrale Bankdienstleistungen nicht mehr aus der Schweiz erbracht werden. Investmentdienstleistungen sind nur noch begrenzt möglich – etwa für institutionelle Kunden oder auf Initiative von Privatkunden (passive Dienstleistungserbringung).
Gespräche mit der EU
Um einen besseren Zugang zum europäischen Markt zu erhalten, plädiert die Schweizerische Bankiervereinigung daher für eine Regelung, die auf einem sogenannten institutsspezifischen Ansatz basiert: Schweizer Banken, die dies wünschen, sollten sich der Aufsicht einer einzigen europäischen Behörde unterstellen können, um ihre Dienstleistungen auf dem EU-Markt anbieten zu dürfen. Somit würden nur jene Schweizer Finanzinstitute, die an diesem Markt interessiert sind, die Anforderungen der EU anwenden.
Hürdenlauf über die Bilateralen
Noch ist ein solches Abkommen jedoch Zukunftsmusik. «Bis wir Zugang erhalten ist es ein Hürdenlauf – und das erste Hindernis sind die Bilateralen», sagt Pittet. Immerhin: Das Paket Bilaterale III wurde im März 2026 vom Bundesrat verabschiedet und ist damit seiner Umsetzung einen Schritt näher.
Zwar enthält das Paket keine Bestimmungen zu Finanzdienstleistungen, doch würde ein Scheitern der Bilateralen III den Abschluss eines Abkommens über den Zugang zum europäischen Markt für Schweizer Finanzintermediäre wahrscheinlich verhindern.
Darüber hinaus warnt Pittet vor indirekten Effekten: Ohne Bilaterale III droht der Schweiz der Ausschluss aus Bildungs- und Forschungsprogrammen wie Horizon Europe und Erasmus. Das würde die Ausbildung und den Zugang zu Talenten schwächen – mit Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit des Bankensektors: «Es ist wie in der Champions League: Man kann sich nicht ausschliesslich mit einheimischen Spielern begnügen.»
Marktzugang für Wirtschaftswachstum
Gelingt es hingegen, die Hürden abzubauen und ein Abkommen mit der EU zu schliessen, sieht Pittet grosse Chancen für weiteres Wachstum: Mehr Beschäftigte im Bankensektor, eine stärkere Wettbewerbsfähigkeit und zusätzliche Steuereinnahmen.
Heute beträgt der Anteil der Finanzdienste an den gesamten Dienstleistungsexporten rund 15 Prozent – und ist damit der zweitgrösste Sektor. Der Zugang zu internationalen Märkten wird entscheidend dafür sein, dass der Finanzplatz seine führende Position behaupten oder sogar ausbauen kann.
Das ganze Gespräch gibt es im Podcast «Accès au marché européen : un accélérateur de croissance» auf Französisch zu hören.









