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Mehr als Kapital: Banken als Begleiter von Start-ups
Mehr als Kapital: Banken als Begleiter von Start-ups

Für junge Unternehmen können Glaubwürdigkeit, Kontakte und strategische Unterstützung von Investorinnen und Investoren genauso wertvoll sein wie die Finanzierung selbst.
Vanillearoma steckt in Kuchen, Cremes oder Zahnpasta. Was viele nicht wissen: Der grösste Teil des verwendeten Vanillins stammt nicht aus Vanilleschoten, sondern wird synthetisch hergestellt – meist aus petrochemischen Rohstoffen wie Erdöl oder Erdgas.
Hier setzt das Schweizer Cleantech-Startup Bloom Biorenewables an. Es entwickelt Verfahren, um Holz sowie Nebenprodukte aus der Land- und Forstwirtschaft in chemische Grundbausteine umzuwandeln.
So entstehen hochwertige Moleküle wie Vanillin oder weitere Inhaltsstoffe für die Kosmetik- sowie Petrochemie (Kunststoffe, Klebstoffe). Dieselbe Technologie soll künftig auch Bausteine für biobasierte Kunststoffe liefern.
Vom Labor auf den Markt
Bloom Biorenewables entstand aus der Forschung an der EPFL. Eine Herausforderung bestand darin, die Technologie in ein tragfähiges Geschäftsmodell einzubetten.
«Eine Technologie allein ist noch kein Unternehmen», sagt Florent Héroguel, Mitgründer und Co-CEO von Bloom Biorenewables. «Entscheidend ist, die richtigen Produkte, Märkte und Kunden zu identifizieren.»
Investoren als Schlüssel zum Erfolg
Der Weg in den Markt ist lang. Neben Kapital braucht es Erfahrung, Netzwerke und strategische Begleitung. Banken können dabei weit mehr leisten als lediglich die Finanzierung zu unterstützen.
Wie das konkret aussieht, zeigt die Zusammenarbeit von Bloom Biorenewables und Lombard Odier Investment Managers (LOIM), dem Asset-Management-Geschäft der Lombard Odier Gruppe.
Die Bank beteiligte sich im Rahmen einer Finanzierungsrunde am Westschweizer Unternehmen. Die Investition erfolgte über den Private-Equity-Fonds Plastic Circularity, der in Unternehmen investiert, die Lösungen für eine Kreislaufwirtschaft von Kunststoffen entwickeln.
«Wir investieren nur, wenn drei Voraussetzungen erfüllt sind», sagt Alexandre Ouimet-Storrs, Co-Lead des Plastic Circularity Fonds von LOIM. «Die Lösung muss einen positiven Umwelteffekt haben, zu wettbewerbsfähigen Kosten produziert werden können und mindestens die gleiche Leistung bieten wie das fossile Produkt.»
Als Minderheitsinvestor begleitet auch die Bank Bloom Biorenewables bei strategischen Fragen – etwa bei der Skalierung der Produktion, als Beobachter im Verwaltungsrat oder bei der Rekrutierung von Führungskräften.
Kapital, Netzwerk und Know-how
Über LOIM erhielt Bloom Biorenewables Kontakte zu Industrieunternehmen sowie zu Initiativen wie der Alliance to End Plastic Waste oder der Circular Bioeconomy Alliance.
«Wir bringen nicht nur Kapital ein», sagt Ouimet-Storrs. «Sondern auch unser Netzwerk, unsere Erfahrung und unser Know-how. Wir sind geduldiges Kapital – aber kein passives.»
Für Bloom Biorenewables ist dieser Mehrwert entscheidend. «Zudem verleiht uns die Unterstützung von Lombard Odier Investment Management Glaubwürdigkeit», sagt Héroguel.
Schrittweise wachsen
Bloom konzentriert sich zunächst auf Anwendungen mit hoher Wertschöpfung, etwa Duft- und Aromastoffe oder Inhaltsstoffe für die Kosmetikindustrie.
So lässt sich die Technologie industriell erproben und gleichzeitig der Weg in grössere Märkte wie biobasierte Kunststoffe ebnen.
Auch die Produktion wächst schrittweise. Statt früh in eine eigene Grossanlage zu investieren, arbeitet Bloom Biorenewables zunächst mit Industriepartnern zusammen und steigert seine Produktionskapazitäten im Laufe der Zeit kontinuierlich.
Eine eigene Produktionslinie soll erst entstehen, wenn die Nachfrage entsprechend wächst. Das senkt das Risiko und erleichtert die Skalierung.
Das Beispiel zeigt: Banken finanzieren Innovationen nicht nur – sie begleiten sie mit Fachwissen, komplementären Netzwerken und einer langfristigen Perspektive bis zur Marktreife.
Das ganze Gespräch auf französisch gibt es im Podcast «Plus que de simples investisseurs : comment les banques accompagnent les entreprises sur le long terme» zu hören.
















