Wirtschaftsstandort Schweiz
10 Jahre Twint: Von der Nische zum Schweizer Standard
10 Jahre Twint: Von der Nische zum Schweizer Standard

Der Begriff «twinten» ist heute fast so gebräuchlich wie «googeln»: Die Schweizer Bezahl-App ist zum Synonym für mobiles Bezahlen geworden. Damit nimmt sie europaweit eine Vorreiterrolle ein.
Früher zückte man das Portemonnaie, heute das Smartphone: Ob beim Wocheneinkauf, an der Parkuhr, im Café, beim Online-Shopping oder um einer Freundin das geliehene Geld zurückzuzahlen: Mobile Zahlungen sind in der Schweiz zum Alltag geworden.
Getrieben wurde diese Entwicklung in der Schweiz vor allem durch die Bezahlapp «Twint», die 2026 ihr 10-Jahr-Jubiläum feiert. Die Wurzeln der heutigen App reichen zwar ins Jahr 2014 zurück, als Twint als Tochtergesellschaft von Postfinance gegründet wurde. In ihrer heutigen Form entstand die Plattform jedoch erst 2016 durch die Zusammenführung mit Paymit, einer weiteren damaligen Schweizer Mobile-Payment-Lösung, die die Schweizer Börsenbetreiberin SIX mit der UBS und der ZKB entwickelt hatte.
Sechs Millionen Nutzerinnen und Nutzer
Heute ist Twint aus dem Alltag in der Schweiz nicht mehr wegzudenken: Über sechs Millionen Menschen nutzen die App. Im Jahr 2025 wurden über 900 Millionen Transaktionen abgewickelt. Drei Viertel davon entfielen auf Zahlungen an Unternehmen und Organisationen, rund ein Viertel auf Überweisungen zwischen Privatpersonen.
Breite Anwendung als Erfolgsfaktor
Zum Erfolg beigetragen hat, dass Twint von Beginn an mehr sein wollte als eine digitale Version der Debitkarte. Die App vereint zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten auf einer Plattform: Etwa Einkaufen im Laden und online, Geldüberweisungen zwischen Privatpersonen, Parkieren, Ticketkäufe oder Spenden.
Man kann auch seine Kundenkarten – etwa von der Migros – hinterlegen, Versicherungen abschliessen oder an Wettbewerben teilnehmen. Dadurch ist die App für viele Nutzerinnen und Nutzer oft mehrmals täglich im Einsatz.
Zusammenarbeit statt Konkurrenz
Ebenso wichtig wie die breite Anwendung war die Zusammenarbeit der beteiligten Akteure. Statt mehrere konkurrierende Lösungen aufzubauen, bündelten Banken und weitere Partner ihre Kräfte in einer gemeinsamen Plattform: Zu den Eigentümern gehören unter anderem UBS, Postfinance, Raiffeisen, ZKB und die SIX.
Das erhöhte die Akzeptanz auf allen Seiten: Nutzerinnen und Nutzer mussten sich nicht zwischen verschiedenen Apps entscheiden, Händler nicht mehrere Systeme integrieren. Die frühe Einigung auf einen gemeinsamen Standard erwies sich rückblickend als wichtiger Erfolgsfaktor.
Die Schweiz als Sonderfall
Im internationalen Vergleich ist es bemerkenswert, dass sich in der Schweiz eine nationale Lösung etablieren konnte. In vielen Ländern wird mobiles Bezahlen heute von US-amerikanischen Anbietern wie Apple Pay, Google Pay oder PayPal geprägt. Zwar hat auch in der Schweiz Apple Pay mit rund 17 Prozent einen nennenswerten Anteil, doch Twint dominiert mit 63 Prozent das mobile Bezahlen eindeutig.
In Europa existieren vergleichbare Systeme wie Swish in Schweden, Ideal in den Niederlanden oder das neue europäische Zahlungssystem Wero, das zurzeit stark weiterentwickelt wird. Die meisten dieser Lösungen haben ihren Schwerpunkt jedoch in einzelnen Bereichen, etwa im Onlinehandel oder bei Person-zu-Person-Zahlungen. Auch Apple Pay ist weniger breit aufgestellt: Zahlungen unter Freunden sind damit nur in den USA möglich.
Eine derart breite Anwendung, wie Twint sie bietet, ist – noch – eher die Ausnahme. Das liefert eine mögliche Erklärung für den grossen Erfolg.
Fester Bestandteil des Zahlungmix
Mobile Zahlungen haben einen festen Platz im Zahlungsmix der Schweiz eingenommen. Dennoch ersetzt Twint andere Zahlungsmittel nicht vollständig. Bargeld, Debitkarten und Kreditkarten spielen weiterhin eine wichtige Rolle.
Die Geschichte von Twint zeigt, wie sich eine nationale Lösung auch in einem von globalen Technologieunternehmen geprägten Markt etablieren kann: durch Zusammenarbeit, gemeinsame Standards und einen konkreten Nutzen im Alltag.





