Technologischer Fortschritt

Distributed Ledger Technology erklärt – und was sie für Schweizer Banken bedeutet

Distributed Ledger Technology erklärt – und was sie für Schweizer Banken bedeutet

6.7.2026

DLT gilt im Finanzbereich als Zukunftstechnologie. Sie kann Transaktionen schneller und sicherer machen sowie helfen, innovative Angebote zu entwickeln. Ein Blick auf die Technologie und ihre Relevanz für die Schweiz.

Eine Kundin kauft eine Anleihe. Bis diese in ihrem Depot liegt, sind oft mehrere Stellen beteiligt: Bank, Börse, Verwahrstelle. Jede prüft Daten, gleicht ab und führt Buch. Das ist sicher – aber aufwendig.

Schweizer Banken fragen sich deshalb: Geht das einfacher? Eine mögliche Antwort ist die Distributed Ledger Technology (DLT).

Wie funktioniert die Distributed Ledger Technology (DLT)?

Die DLT ist wie ein digitales Kassenbuch, das von verschiedenen Stellen gemeinsam geführt wird. Daten werden nicht mehr zentral gespeichert, sondern gleichzeitig bei mehreren Teilnehmern. Änderungen werden gemeinsam bestätigt und sind nachträglich nur mit sehr hohem Aufwand veränderbar. Das reduziert Abstimmungsaufwand und schafft Vertrauen. Ein bekanntes Beispiel für die Nutzung von DLT ist die Blockchain, auf der die Kryptowährung Bitcoin basiert.

DLT bietet Banken Vorteile

Banken können auf Basis dieser Technologie neue Angebote entwickeln. Denn die DLT kann Prozesse vereinfachen: Sie ermöglicht es, dass Transaktionen einfacher verarbeitet und nachverfolgt werden können, da alle Beteiligten auf denselben Datenstand zugreifen. Heute müssen dafür noch mehrere Parteien aktiv Daten austauschen und abstimmen.

Für Kundinnen und Kunden kann die Technologie langfristig schnellere Abläufe und neue digitale Dienstleistungen ermöglichen. Sogenannte «Smart Contracts» beispielsweise führen definierte Prozesse selbstständig aus – etwa eine Zahlung, sobald eine Lieferung bestätigt ist.

Ein weiterer wichtiger Anwendungsfall ist die Tokenisierung. Dabei werden Vermögenswerte wie Aktien oder Immobilien digital als «Token» abgebildet. Der Handel mit diesen Vermögenswerten profitiert damit von der einfachen und schnellen Informationsübermittlung, die die DLT ermöglicht. Zudem eröffnet die Tokenisierung die Möglichkeit, bestimmte Vermögenswerte in kleinere Einheiten aufzuteilen. Für Anlegerinnen und Anleger könnte dies künftig den Zugang zu Anlageklassen erleichtern, die bisher nur mit hohen Mindestbeträgen investierbar waren.

DLT ist schon heute im Einsatz

Die DLT ist in der Schweiz mehr als ein Zukunftsthema. Banken setzen die Technologie bereits ein – wenn auch noch nicht flächendeckend.

So wurden in den letzten Jahren erste Zahlungen über die DLT erfolgreich getestet – teilweise nahezu in Echtzeit und rund um die Uhr. Eine Machbarkeitsstudie von PostFinance, Sygnum und UBS unter dem Dach der Schweizerischen Bankiervereinigung zeigte zudem, dass sich tokenisierte Bankeinlagen über eine öffentliche Blockchain rechtlich bindend zwischen Banken übertragen lassen.

Parallel dazu etabliert sich mit der SIX Digital Exchange (SDX) eine DLT-basierte Marktinfrastruktur für digitale Wertschriften, an der sich Schweizer Banken beteiligen. Dort können tokenisierte Wertschriften mit weniger Zwischenstellen gehandelt und abgewickelt werden als in traditionellen Prozessen. Einzelne Banken bieten bereits konkrete Dienstleistungen an, etwa die Verwahrung oder den Handel von tokenisierten Assets.

Gleichzeitig bleibt klar: Die bestehenden Systeme funktionieren zuverlässig und werden nicht ersetzt, sondern gezielt ergänzt.

Die Schweiz spielt vorne mit

Die Schweiz gehört international zu den Vorreitern. Ein Grund dafür ist auch die frühzeitige Etablierung von Regeln: Bestehende Gesetze wurden gezielt angepasst, damit DLT-Anwendungen rechtssicher umgesetzt werden können – etwa bei digitalen Wertrechten.

Zudem wird die Regulierung laufend weiterentwickelt. Der Bundesrat hat von Oktober 2025 bis Februar 2026 eine Vernehmlassung zur Änderung des Finanzinstitutsgesetzes durchgeführt. Diskutiert werden etwa Anpassungen der bestehenden Fintech-Lizenz sowie neue Bewilligungskategorien für Stablecoin- und Kryptodienstleister. Mit Gesetzesänderungen ist in den kommenden Jahren zu rechnen.

Innovation – aber sicher

Mit der zunehmenden Nutzung der DLT stellen sich neue Fragen: Welche Rolle spielen Banken in Zukunft, wenn Prozesse direkter ablaufen? Wie lassen sich neue Geldformen wie tokenisierte Einlagen oder Stablecoins sinnvoll integrieren? Und wie kann Regulierung Innovation ermöglichen, ohne die Stabilität zu gefährden?

Die Schweiz verfolgt dabei einen klaren Ansatz: offen für Neues, aber ohne auf die Sicherheit und das Vertrauen zu verzichten, das Banken bieten. Entscheidend wird sein, DLT dort einzusetzen, wo die Technologie echten Mehrwert schafft – für Banken, Unternehmen sowie Kundinnen und Kunden.

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