Vermögensaufbau
«Wie werde ich reich?»: 5 Denkanstösse für den Vermögensaufbau
«Wie werde ich reich?»: 5 Denkanstösse für den Vermögensaufbau

Der Finanzblogger «Thomas der Sparkojote» und Raiffeisen-CIO Matthias Geissbühler sprechen über Reichtum und Risiken – sowie die Rolle der Banken beim Vermögensaufbau.
Was ist Reichtum?
Thomas der Sparkojote: «Reichtum bedeutet für mich, selbstbestimmt entscheiden zu können, wie ich meine Zeit verbringe. Wieviel Geld es dafür braucht, ist aber bei jeder und jedem anders.»
Werden Sparerinnen und Sparer reich?
Matthias Geissbühler: «Nein. Mit einem klassischen Sparkonto baut heute niemand mehr ein Vermögen auf. Die Zinsen liegen praktisch bei Null, und durch die Inflation verliert das Geld an Kaufkraft.»
Sparkojote: «Wer ein Vermögen aufbauen will, für den ist Anlegen unerlässlich.»
Was ist entscheidend für langfristigen Erfolg?
Geissbühler: «Diversifikation! Mit einem breit aufgestellten Aktienportfolio kann man langfristig mit mehreren Prozent Vermögenszuwachs pro Jahr rechnen.»
Sparkojote: «Klar ist allerdings auch: Je diversifizierter ein Portfolio ist, desto stärker nähert sich die Rendite der des gesamten Markts. Warren Buffett hat nicht durch Hyperdiversifikation den Markt über Jahrzehnte geschlagen, sondern weil er Titel von bestimmten Unternehmen zeitweise übergewichtet hat.»
Geissbühler: «Es ist aber einer der grössten Fehler, zu glauben, man könne treffsicher die drei Aktien auswählen, die nächstes Jahr um 50 Prozent steigen. Man gewinnt vielleicht einmal – ähnlich wie beim Lotto – aber die Mehrheit wird damit nicht glücklich.»
Sparkojote: «Auch ich setze nicht nur auf Einzelaktien. Ein Viertel meiner Investments sind globale ETF, die die Entwicklung des weltweiten Aktienmarkts abbilden.»
Geissbühler: «Aber auch globale ETF können stark auf Regionen oder Branchen konzentriert sein. Im MSCI World entfallen inzwischen rund 75 Prozent auf US-Aktien.»
Sparkojote: «Deshalb sollte man auch bei ETFs aktiv streuen. Durch eine Kombination verschiedener globaler ETF können auch andere Länder stärker gewichtet werden.»
So wird der MSCI World gebildet
Für den MSCI World werden aus 23 Industrieländern die Aktiengesellschaften gewählt, die zusammen etwa 85% der nationalen Streubesitz-Marktkapitalisierung (Börsenwert der frei handelbaren Aktien) abdecken.
Streubesitz umfasst Aktien von Kleinanlegern und institutionellen Investoren – Grossaktionäre (>5%) werden ausgeschlossen, da ihre langfristig gehaltenen Aktienpakete nicht liquide sind und Marktentwicklungen nicht widerspiegeln.
Anschliessend werden alle ausgewählten Unternehmen global gemäss ihrer individuellen Marktkapitalisierung gewichtet – was die Dominanz von US-Titeln im MSCI erklärt. Denn die wertvollsten Unternehmen haben ihren Hauptsitz in den USA.
Wie viel Risiko erfordert Reichtum?
Sparkojote: «Ich sehe in meinem Alter und meiner Lebenssituation überhaupt kein Risiko. Würde mein Portfolio jetzt um die Hälfte an Wert verlieren? Dann wäre das eben so – ich bin nicht auf das Geld angewiesen. Wer jedoch einen Teil seines Portfolios als Zustupf für die AHV Rente benötigt, für den wäre so ein Crash fatal.»
In Zeiten von Investment-Apps: Was bieten Banken Investorinnen und Investoren?
Geissbühler: «Banken haben die Expertise, die Laien fehlt. Es gibt die 10'000-Stunden-Regel: Wer ein guter Tennisspieler sein will, der muss mindestens 10'000 Stunden trainiert haben. Und wer sich noch nicht so intensiv mit dem Thema Anlegen auseinandergesetzt hat, der sollte sich beraten lassen.»
Sparkojote: «Ich habe einmal viel Geld verloren, weil die Plattform, über die ich investiert hatte, Konkurs ging. Mein Learning daraus: Wenn ich meine Assets verwalten lasse, dann muss ich der Instanz zu 99,99% vertrauen. Und das sind für mich die Schweizer Banken und Institute.»




