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Karriere im Banking: Was sich verändert – und was bis heute zählt
Karriere im Banking: Was sich verändert – und was bis heute zählt

Für die Banker:in der Zukunft ist die KV-Lehre ein vielversprechender Start. Das zeigt ein Generationengespräch über die Anforderungen im Banking.
«Ich hatte nie einen Karriereplan», sagt Beat Röthlisberger, der heute an der Spitze der PostFinance steht. Den Grundstein gelegt für seine berufliche Laufbahn hat er in den 1990er-Jahren mit einer KV-Lehre.
Röthlisberger ist kein Einzelfall: Auch UBS-CEO Sergio Ermotti und Julius-Bär-CEO Stefan Bollinger starteten ihre Karrieren als Lehrlinge bei einer Bank.
Und damals wie heute gilt: die KV-Lehre ist ein sehr beliebter Karrierestart und der Bankensektor gehört zu den Top-3-Ausbildungsbranchen: Rund 8% absolvieren ihre kaufmännische Ausbildung bei einer Bank.
Eine von ihnen ist Anna Feusi. Die Zürcherin gehört zu diesen rund 3000 KV-Lernenden. Besonders schätzt sie an der Bank «die Vielfalt und den Kundenkontakt».
Aufstiegsmöglichkeiten dank Weiterbildungen
Feusi und Röthlisberger verbindet neben der KV-Lehre auch ein prägendes Erlebnis: Beide erinnern sich gut an den ersten Besuch am Bankschalter mit den Eltern – und wie fasziniert sie damals waren.
Diese Faszination ist entscheidend: «Bleibt man fasziniert und motiviert, ist heute eigentlich alles möglich», ist Röthlisberger überzeugt.
Das bestätigt auch eine Branchenumfrage: Banken bieten gute Aufstiegschancen – unabhängig vom Bildungsweg. Möglich macht das unter anderem ein äusserst breites Weiterbildungsangebot.
Dazu ein aktuelles Beispiel: Seit 2026 steht das Angebot «Bankeinstieg nach der Matura» auch Kauffrauen und – männern mit Eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) aus anderen Branchen offen.
Vielfalt in der Bank – Vielfalt in der Ausbildung
Fest steht: Wer seine Karriere mit einer Banklehre startet, erhält Einblick in viele Welten – und das bildet. Anna Feusi hat in der Kundenhalle sowie im Backoffice des Privat- und Firmenkundengeschäfts gearbeitet und sagt: «Ich konnte überall etwas Neues lernen».
Diese Vielfalt legte auch den Grundstein für Röthlisbergers Karriere: «Von den Einblicken in die unterschiedlichsten Abläufe profitiere ich bis heute.» Nach der Lehre studierte er berufsbegleitend Betriebsökonomie und arbeitete anschliessend im Vertrieb sowie im Risk Management.
Heutigen KV-Lernenden im Bankenumfeld rät er zu einem ähnlichen Weg wie seinem: «Wer ins Management will, sollte Führungserfahrung sammeln – im Kundenkontakt sowie im Mid- und Backoffice.»
Die Unternehmenskultur verändert sich
Im Management hat neben Berufserfahrung vor allem Sozialkompetenz an Bedeutung gewonnen. So ist Urs Baumann, CEO der Zürcher Kantonalbank, bei wichtigen Ausbildungsmeilensteinen von Lernenden wie Anna Feusi jeweils präsent – so etwas ist während Röthlisbergers Lehrzeit noch undenkbar gewesen.
Er findet: «Heute haben die Angestellten einen höheren Anspruch an die interne Kommunikation – das ist legitim und hilfreich.» Einen Grund für dafür sieht Röthlisberger im höheren Ausbildungsniveau: In den letzten 20 Jahren haben sich die Abschlüsse auf Tertiärstufe in der Schweiz verdoppelt.
Aber auch die Angestellten selbst sind herausgefordert: Rund 40% arbeiten heute im direkten Kundenkontakt – und genau dort entscheiden Sozialkompetenz und Empathie. Kontoeröffnungen und Investitionen sind heute sowohl online wie am Bankschalter möglich – entsprechend gewinnt das Zwischenmenschliche an Bedeutung.
Empathie ist zentral
Kommunikation macht heute den Unterschied, auch bei Geschäftsführern. So war es laut Röthlisberger nicht nur seine fachliche Expertise, sondern auch seine Soft Skills, die ihm seine CEO-Position einbrachten: «Ich glaube, es war ein Match von Erfahrung und meiner Wertebasis.»
Folglich gilt: Werte bleiben im Banking das A und O: «Denn Banken haben keinen Selbstzweck», sagt Röthlisberger, «sie stehen gegenüber ihren Kundinnen und Kunden in der Pflicht.»
So sind sich die beiden Generationen denn auch einig: Die Banker:in der Zukunft braucht vor allem eines – Empathie.






